Zusammenfassung
Das 1986 entstandene Stück „Manoli…!“ ist ein erschütternder Monolog oder, wie der Autor selbst sagt, ein Dialog, der zwischen persönlicher Tragödie und politischer Dimension oszilliert. Maria, eine sechzigjährige Witwe, erzählt ihren eigenen Leidensweg dem einzigen Gefährten, der ihr geblieben ist: ihrem Kater Manoli. Ihr einziger Sohn Manos wurde während des Putsches von 1974 im Hof ihres eigenen Hauses von paramilitärischen Kräften ermordet. Jahre später sieht sich Maria mit unerträglichem Schmerz, Einsamkeit und einer gesellschaftlichen Verschwörung des Schweigens konfrontiert. Sie weigert sich, die von der Gesellschaft auferlegte Vergessenheit zu akzeptieren. Ihre Küche verwandelt sie in ein improvisiertes Gericht, in dem sie nach Antworten und Gerechtigkeit sucht. Ein zutiefst menschliches und politisches Stück über Erinnerung, Verlust und die Notwendigkeit, die Wahrheit wiederherzustellen – und zugleich eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Trauma einer ganzen Epoche.
In unserer Lesart lebt Maria – oder vielmehr, sie überlebt – in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, in einer Normalität, die es nicht mehr gibt, in ihrem eigenen Universum, in dem alles anders zu sein scheint. In dem alles zugleich existiert und nicht existiert, denn das Einzige, was zählt, ist, dass es zur Gerechtigkeit kommt.
Barrierefreiheit
- Audiodeskription & Tastführung für blinde und sehbehinderte Menschen
- Auf Griechisch, mit deutschen und griechischen Übertiteln
Mitwirkende
Aufgeführt von
Künstlerisches Team
Nach der Aufführung · 16.30
Gespräch mit dem Publikum
Im Gespräch mit dem Autor Georgios Neophytou
Moderation: Violeta Lupis
Gleich nach der Aufführung unterhält sich der Autor von „Manoli...!“ offen mit dem Publikum. Ein Text aus dem Jahr 1986 über den Putsch von 1974, der von der Erinnerungskultur in einer Gemeinschaft handelt, die sich für das Vergessen entschieden hat. Was bedeutet es, über etwas zu schreiben, solange das Schweigen darüber noch anhält? Wie kann ein Monolog 40 Jahre überstehen, und was hört ein Publikum in Berlin heute daraus? Der Autor nennt es einen Dialog, auch wenn die Katze nicht antwortet. Das Gespräch entwickelt sich aus den Fragen derjenigen, die im Saal sitzen.